Seit dem 13. August bin ich nun in Ghana und damit seit etwas mehr als zwei Wochen hier. Natürlich ist das noch viel zu kurz, um ein Land wirklich kennenzulernen. Das, was ich hier schreibe, sind deshalb nur meine persönlichen ersten Eindrücke aus den Orten, Situationen und Begegnungen, die ich bisher erlebt habe – und keine allgemeine Beschreibung von Ghana. Trotzdem sind in diesen ersten Wochen schon unglaublich viele neue Eindrücke zusammengekommen.
Ankommen in meinem neuen Zuhause
Angekommen sind wir zunächst in Accra, wo wir die ersten organisatorischen Dinge erledigten und uns ein bisschen orientierten. Danach ging es weiter Richtung Volta-Region. Nach einem Zwischenstopp in Wusuta kamen wir schließlich in Hohoe an, wo ich während meines Freiwilligendienstes leben und arbeiten werde. Dort lernten wir unsere Gastfamilien und Schulen kennen und bekamen bei einer gemeinsamen Orientation noch einige Tipps zum Alltag vor Ort.
Inzwischen fühlt sich Hohoe für mich schon ziemlich vertraut an. Es ist eine lebendige Kleinstadt, aber wesentlich entspannter als Accra. Es gibt Märkte, kleine Läden und Stände, Supermärkte, Restaurants und eigentlich alles, was man im Alltag braucht. Mittlerweile haben wir sogar Fahrräder, wodurch wir noch einmal deutlich mobiler geworden sind.
Ich wohne gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen bei unserer Gastfamilie. Unsere Gastmutter heißt Comfort, außerdem leben Patience, Edina und die kleine Andrea, die auch Klenam genannt wird, mit uns im Haus. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und auch mit meinem Zimmer hatte ich Glück: Es ist groß, hat ein Fenster zum Garten und mit Fotos von zu Hause habe ich es mir mittlerweile ziemlich gemütlich gemacht.
Ein paar Dinge funktionieren hier anders als gewohnt. In unserem Haus haben wir zum Beispiel kein fließendes Wasser und holen es stattdessen aus einem großen Tank im Garten – geduscht wird also mit dem Eimer. Daran habe ich mich erstaunlich schnell gewöhnt. In den anderen Gastfamilien gibt es aber auch fließendes Wasser. Unsere Wohnsituation lässt sich also keineswegs auf ganz Ghana übertragen.
Gleichzeitig funktionieren manche Dinge überraschend gut. Meine mobile Internetverbindung war bisher fast überall sehr gut – teilweise sogar besser als ich es aus Deutschland gewohnt bin.
Eine Waschmaschine vermisse ich dagegen inzwischen etwas. Hier wird mit der Hand gewaschen, und während ich dafür noch ewig brauche, merkt man den Menschen hier deutlich an, wie viel Übung sie darin haben.
Jollof, Fufu und sehr viel Chili
Eines meiner bisherigen Highlights ist definitiv das ghanaische Essen. Sehr bekannt ist zum Beispiel Jollof Rice, ein Reisgericht, das häufig mit Gemüse und Hühnchen gegessen wird. Auch Fufu haben wir schon probiert, das unter anderem aus Maniok und Kochbanane hergestellt und traditionell mit Suppe gegessen wird.
Was mir besonders gut gefällt: Das Essen ist meistens sehr kräftig gewürzt und oft ziemlich scharf – genau mein Geschmack. Auch Yam Fries esse ich gerne. Yam ist eine Knolle, die ein bisschen an Kartoffeln erinnert und frittiert fast wie Pommes gegessen wird.
Und auch die Früchte sind hier richtig gut: Mangos, Papayas, Ananas, Kokosnüsse und Bananen bekommt man überall – besonders die frischen Mangos und Ananas könnte ich wahrscheinlich jeden Tag essen.
Unterwegs in Ghana – und unerwartete Hilfsbereitschaft
Unterwegs sind wir hier häufig mit den sogenannten Trotros. Das sind umfunktionierte Kleinbusse, die feste Strecken fahren und dabei wirklich jeden verfügbaren Platz ausnutzen. Besonders bequem ist eine längere Fahrt zwar nicht, dafür ist sie definitiv ein Erlebnis – und noch dazu ziemlich günstig: Für die sechsstündige Strecke von Hohoe nach Accra habe ich zum Beispiel nur etwa 100 Ghana Cedi, also rund acht Euro, bezahlt.
Am meisten überrascht hat mich bisher die Hilfsbereitschaft vieler Menschen hier. Schon auf der Straße wird man ständig mit einem „Hello, how are you?“ begrüßt. Besonders in Erinnerung bleiben mir aber die Situationen, in denen uns völlig fremde Menschen geholfen haben.
Einmal waren wir in Accra unterwegs und wussten nicht so richtig, wie wir zurück zu unserer Unterkunft kommen sollten. Wegen des starken Verkehrs wollten uns einige Uber-Fahrer nicht mitnehmen und irgendwann saßen wir etwas ratlos in einem Trotro. Als wir dort unser Problem erklärten, beschäftigte sich plötzlich tatsächlich der gesamte Bus mit unserer Heimfahrt. Es wurde diskutiert, auf Google Maps geschaut und gemeinsam überlegt, wo wir umsteigen sollten. Am Ende hatten wir einen Plan – und der hat problemlos funktioniert.
Ähnlich war es, als wir einmal eine Trotro-Station nicht finden konnten. Eine Frau, die wir nur nach dem Weg gefragt hatten, lief einfach mehrere Minuten mit uns und brachte uns bis dorthin.
Vor einigen Tagen ging es mir außerdem nicht besonders gut und ich wollte einen Malariatest machen lassen. Wir sprachen einen Mann mit einem Motorrad an, weil wir ihn für einen Fahrer hielten. Das war er zwar gar nicht, aber als er hörte, dass wir zum Arzt wollten, nahm er uns trotzdem mit und half uns vor Ort sogar noch dabei, alles zu organisieren.
Gerade solche Begegnungen bleiben hängen. Natürlich kann ich nach zwei Wochen nicht für ein ganzes Land sprechen, aber die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, die ich bisher erlebt habe, haben mich wirklich beeindruckt.
Die Volta-Region – Landschaft und Sprache
Auch landschaftlich hat mich Ghana bisher sehr positiv überrascht. Besonders die Volta-Region ist unglaublich grün, mit vielen Pflanzen, Hügeln und Bergen. Vor meiner Reise wusste ich selbst kaum, wie Ghana landschaftlich aussieht, und freue mich deshalb umso mehr darauf, in den nächsten Monaten noch weitere Teile des Landes kennenzulernen.
Neben Englisch versuche ich inzwischen auch, ein bisschen Ewe zu lernen, eine der meist gesprochenen Sprachen in der Volta-Region. Einige Begrüßungen und kurze Sätze kann ich schon. Ganz einfach ist es allerdings nicht, denn Ewe ist eine Tonsprache, bei der die Tonhöhe die Bedeutung eines Wortes verändern kann – für mich erst einmal ziemlich ungewohnt.
Der Freiwilligendienst beginnt
Bis jetzt bestand meine Zeit in Ghana vor allem aus Ankommen, Kennenlernen und Eingewöhnen. Jetzt beginnt mein eigentlicher Einsatz an der Schule. Meinen Schulleiter habe ich schon kennengelernt und bin sehr gespannt auf die Kinder und den Schulalltag.
Nach etwas mehr als zwei Wochen habe ich das Gefühl, schon unglaublich viel erlebt und gleichzeitig erst einen kleinen Teil kennengelernt zu haben. Manches ist wunderschön, manches ungewohnt und manches auch anstrengender als zu Hause – aber genau das gehört für mich zu diesem Jahr dazu.
Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen!




